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8. September 2019

#7

Vom schwächeren Gefäß

Bild Blog #7
©Kristina Makeeva

Bei einer Auktion in England wurde eine 270 Jahre alte chinesische Vase für umgerechnet ca. 60 Millionen Euro versteigert. Sie ist damit das teuerste Gefäß der Welt. Das ist für sich genommen noch nichts Besonderes. Für chinesische Vasen legen Sammler ja schon mal gern Millionen hin. Erstaunlich ist nur, dass etwas so Zartes und Zerbrechliches, ein so hohes Gebot hervorrufen kann. Liegt der hohe Wert vielleicht gerade in der Zartheit und Zerbrechlichkeit?    

Das möchte man gern glauben, besonders als Frau. Wie sehr dieses Idyll auf einen Gegenstand zutrifft und wie wenig es (noch) auf die Weiblichkeit übertragbar ist, zeigen die heftigen Reaktionen auf folgenden Rat: „Ihr Männer ebenso, wohnt bei ihnen [den Frauen] mit Einsicht als bei einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, und gebt ihnen Ehre als solchen, die auch Miterben der Gnade des Lebens sind, damit eure Gebete nicht verhindert werden“ (1. Petrus 3,7).

Die Emanzipation und der Feminismus donnern zurück: „Warum sollte man denn mit Einsicht bei einer Frau wohnen müssen und wieso bloß sollten Frauen ein schwächeres Gefäß sein? Viele von ihnen stehen tagtäglich ihren Mann! Von Schwäche kann überhaupt nicht die Rede sein.“

Ganz schön viel Protest für einen vielleicht weisen Rat. Woher rührt dieser Protest und gegen wen richtet sich der Widerstand: Gegen die Männlichkeit im Allgemeinen? Gegen die Weiblichkeit im Besonderen? Gegen Gott? Oder wollen wir einfach nicht schwach sein bzw. für schwach gehalten werden? Haben wir vielleicht ein Problem mit dem Begriff der Schwäche und dem Konzept der Zerbrechlichkeit? Halten wir eventuell schwach und zerbrechlich für weniger wert als stark, weil doch alle immer unbedingt so stark sein müssen?

Wer sich nur in der sichtbaren Welt aufhält und von der äußeren Form bzw. Erscheinung auf die innere Konsitution schließt, macht gewaltige Fehler. Das Gleichnis von Petrus und das Bild vom schwächeren Gefäß kann nur verstehen, wer sich in die unsichtbare Welt begibt. Hier sind Zartheit, Zerbrechlichkeit und Schwäche nicht nur das Unterpfand von Stärke, Schönheit und Kraft; sie stehen in der christlich-geistigen Welt auch synonym für Feingefühl, Güte, Mitgefühl, Durchlässigkeit, Hellhörig- und Hellsichtigkeit – die Herrschaft Jesu.

Gehen wir mal in uns und fragen uns ehrlich und aufrichtig: Welche Eigenschaften sind denn gefragt, um mit den kleinen Krisen und großen Tragödien des Lebens fertig werden zu können? Welche Augen hören denn die Worte, die im Halse stecken geblieben sind, aber bitter nötig ausgesprochen werden müssten? Welche Ohren sehen denn das laute Schweigen hinter dem seelenbetäubenden Lärm? Welche Gewalt besänftigt denn die wilden Tiere wie rasende Eifersucht oder glühenden Jähzorn – nicht mit Zwang oder Nötigung, sondern mit einem Lächeln, einem Blick oder einer Berührung? Welche Gefäße verschenken denn in den dunkelsten Stunden noch Narde und Wohlgeruch? Ihre Namen sind: Maria Magdalena, Maria und Salome. 

Stark ist, wer sich schwach, zerbrechlich und zart zeigen kann ohne Stärke, Kraft oder Gewalt zu provozieren. Frauen konnten und können das. Ihrer Natur ist diese Sphäre anvertraut. Nur deshalb sind die feinstofflichen Wände von Frauen schwächer, durchlässiger und empfänglicher. Nur deshalb spüren Frauen oft schon ohne Worte, was gerade Not tut und welche emotionale Kompetenz gefragt ist. Nur deshalb ist Weiblichkeit in Wahrheit stark.

Stark geworden vor allem durch Mitgefühl. Durch unendlich viele Stunden der Nachtwache an Kinder- und Krankenbetten. Durch Leid, das sie in Verzweiflung und Krisen still mitzutragen gelernt haben – stoisch und geduldig. Durch jeden einzelnen Moment, in dem sie sich selbst völlig vergessen, einen anderen in den Mittelpunkt gerückt und ihre Liebe in ihn hinein gesprochen haben. Indem sie die Natur der Weiblichkeit geheiligt haben, sind Frauen stark geworden – nicht, weil sie ihre Weiblichkeit verleugnet haben und neuerdings so sachlich sein müssen. 

Warum fällt es eigentlich uns Frauen so schwer, den Männern das Petrus-Gebot zu erlauben? „Gebt ihnen Ehre als solchen, die auch Miterben der Gnade des Lebens sind, damit eure Gebete nicht verhindert werden“ richtet sich doch an sie. Warum protestieren wir so laut, wenn ein Mann zu einem anderen spricht: Demütige nicht. Setze nicht herab. Handle nicht grob. Sondern gib der Schönheit, der Liebe, der Zartheit, dem Mitgefühl, dem Feinen, dem Kostbaren Platz in deinem Leben und erweise ihm Ehre durch Wort und Tat, privat wie öffentlich. 

Petrus urteilt nicht. Er erinnert uns nur daran, dass im Reich Gottes andere Gesetze herrschen als in unseren konstruierten Welten. Er begriff die Frau symbolisch und metaphysisch, so wie sie ist – nicht politisch. Offensichtlich konnte er durch die beschwerliche, sichtbare Welt hindurchblicken und sie in der unsichtbaren Welt in ihrer wahren, kaum fassbaren Kostbarkeit erkennen: als ein zartes Gefäß randvoll gefüllt mit der Liebe Gottes.

Verlangt sein Gebot nicht nach dem Höchstpreis? 

Bild Beitrag #6

#6  Wo bist du?

Von Martin Buber stammt folgende Anekdote. Ein junger Mann fragt einen Weisen: „Wie ist es zu verstehen, dass Gott, der Allwissende, zu Adam spricht: Wo bist Du? Wenn Gott doch der Allwissende ist, warum muss er ihn dann fragen?“ Der Weise antwortet ihm: „Gott ruft Adam nicht, weil er etwas von ihm erfahren möchte; er ruft ihn, weil er damit etwas bewirken möchte.“ Adam versteckte sich vor der Rechenschaft und drückte sich vor der Verantwortung. Adam? Der war in Wirklichkeit ich. Wie er versteckte ich mich – nicht hinter einem Feigenblatt, aber hinter einer dicken Mauer aus Leistungs- und Karrieredenken. 20 Jahre lang drückte ich mich vor Verantwortung für die Lebenslügen, die ich um mich herum aufgebaut hatte.

Bild Blog #5

#5  Eine Frau ist eine Frau ist Gottes Geschenk

Über das tatsächliche Leben von Adam und Eva steht nicht viel in der Bibel. Auf ganz wenigen Seiten nur wird das Wesentliche der ersten Menschen skizziert. Sie sollen vollkommene Menschen gewesen sein in einer vollkommenen Umgebung ohne Not, ohne Krankheit, ohne Tod. Paradies wurde sie genannt und sie hätten es ewig haben können, hätte die schicksalhafte Geschichte nicht ihren (für Gott wohl vorhersehbaren) Verlauf genommen. Wer aber waren diese ersten beiden Menschen? Wie waren sie? Und was hatte Gott eigentlich wirklich von ihnen erwarten können in einem Garten mit Rundumvollversorgung?